Chorvereinigung
„Jung-Wien“  

Adventkalender

23. Dezember

Jung-Wien Sportreportagen
von unserer Sopranistin Birgit Ursenbach

Wie es sich anhören könnte, wenn Sigi Bergmann statt eines Boxkampfes ein Jung-Wien-Konzert kommentierte:

Willkommen im ausverkauften Konzertsaal.

Wir erleben heute ein unglaubliches, ein einmaliges Konzert.

Sie zu Hause an den Bildschirmen sind live mit dabei, wenn die Chorvereinigung „Jung-Wien“ – über 70 Jahre jung und bestens trainiert von ihren Chorleitern – im spannungsgeladenen Saal ihr Konzert bestreitet.

Mäuschenstill ist es jetzt – und da kommen sie, die Akteure.

Als erste haben die Sopranistinnen den Ring – verzeihen sie – die Bühne betreten und stellen sich in der linken vorderen Ecke auf.
Siegessicher blicken sie ins Publikum.

Aber sie stehen nicht lange alleine auf der Bühne, schon folgen ihnen die Altistinnen.

Es werden erste herausfordernde Blicke zwischen den Stimmgattungen ausgetauscht – das verspricht, ein spannender Abend zu werden, meine Damen und Herren!

Aber es sind noch nicht alle Mitwirkenden auf der Bühne.

Jetzt betreten auch die Tenöre und die Bässe den Saal – und gleich fällt auf, dass sie ganz krass in der Minderzahl sind.

Es ist auch nicht unbedingt eine sportliche Geste, dass sich die Männer hinter den Damen anreihen müssen.

Jetzt steht der Chor vollzählig auf dem Podium und strotzt vor Kampfgeist.

Und da ist auch schon der Referee des heutigen Abends – der Dirigent betritt die Bühne und erntet stürmischen Applaus.

Oh, Achtung, es geht los!

Ungeheuer, ein ständiges hin und her zwischen den Stimmgattungen.

Herrschaften, aufpassen, nicht zu schnell!

Jetzt schwingt sich der Sopran in ungeahnte Höhen - aber schon übernimmt der Alt die Stimmführung.

Die Herren bemühen sich nach Kräften, aber gegen die Übermacht der Damen bleibt ihnen nur eine geringe Chance. - Wo ist da der Sportsgeist?

Wenn der Dirigent jetzt abwinkt, könnte das das Aus für den Chor bedeuten.

Und da ist es passiert - ein letztes Handzeichen des Referees und das Konzert ist vorbei.

Schauen sie, was da im Zuschauerraum los ist – es wird geklatscht, was das Zeug hält.

Der Chor hat sich den Jubel verdient!

Oder Heinz Prüller, der dafür bekannt wurde, bei Formel 1-Übertragungen über alles zu berichten, nur nicht darüber, was sich vor seinen Augen abspielte:

Ein Großkonzert der Chorvereinigung „Jung-Wien“ - willkommen liebe Sportsfreunde. Oder sollte ich in diesem Zusammenhang lieber sagen: „Kulturbegeisterte“.

Willkommen hier im Konzertsaal.

Sie sehen hier den Zuschauerraum, das Publikum wartet bereits auf den Beginn des Konzertes.

Jetzt nehmen die Sänger Aufstellung auf der Bühne, in Poleposition die Damen, dicht gefolgt von den Herren.

Alle warten gespannt darauf, dass der Dirigent das Podium betritt. Und da ist er auch schon.

Wie sie sicher wissen, handelt es sich um den bereits achten Chorleiter der Chorvereinigung „Jung-Wien“ – oder gar schon um den neunten oder zehnten. Es ist ja allgemein bekannt, dass es in den letzten Jahren einige Wechsel an der Spitze gegeben hat.

Während der Chor mit dem ersten von 20 Stücken beginnt, möchte ich nicht versäumen, ihnen ein paar Informationen zum Chorgründer zu geben.

Prof. Leo Lehner – sie können sich sicherlich erinnern – wurde im Jahr 1900 geboren.

Bei „Jung-Wien“ und in Vorgängerchören haben unter seiner Leitung unter anderem Fritz Muliar, Elfriede Ott, Helmut Zilk und Gertrude Fröhlich-Sandner gesungen.

Achtung! - Schwierigkeiten im Sopran!

Aber profesionell gemeistert – unterstützt in einmaliger Weise von den anderen Stimmen.

Aber ich wollte ihnen ja vom Gründer der Chorvereinigung erzählen.

1946 – vor immerhin schon gut 70 Jahren – hat Prof. Lehner „Jung-Wien“ gegründet und den Chor über 30 Jahre – genauer gesagt 32 Jahre bis 1978 – geleitet.

Es ist ihnen sicher bekannt, dass Prof. Lehner mit dem Chor über 2.500mal öffentlich aufgetreten ist.

Liebe Kunstbegeisterte - die Tenöre erreichen nun die Höchstgeschwindigkeit, müssen dann aber am Ende der langen Gerade, vor der Schikane, stark abbremsen und einige Gänge zurückschalten.

Hoffentlich hat sich da keiner ein Scherzel aus seinem Stimmband gesungen.

Aber bevor der Chor jetzt die letzte Runde bzw. das letzte Lied beginnt, möchte ich ihnen noch gerne erzählen, dass Prof. Lehner 1981 verstorben ist und in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt wurde.

In diesem Moment geht der Chor als erster über die Ziellinie.

Das bedeutet wohl, dass das Konzert beendet ist.

Ich danke ihnen für ihre Aufmerksamkeit und hoffe, dass sie das Konzert genauso genießen konnten wie ich hier in meiner Reporterkabine.